Spiderman und ich sitzen auf einer Bank in einem Park. Es sind viele Bäume und Gebüsche um uns herum, kaum ein Lichtstrahl verirrt sich zu uns.
Wir sitzen da und unterhalten uns gegenseitig, reden über dies und das. Auf einmal fällt uns auf, dass wir beide die Gleiche Person sind. Wir unterhalten uns aber vergnügt weiter und freuen uns über diese Tatsache, und auch darüber, dass wir uns so gut verstehen und uns auf diese Weise miteinander unterhalten können.
Wir warten auf jemanden, es muss bald soweit sein. Wir haben Angst. Der auf den wir warten, hält jemanden gefangen den wir befreien wollen. Jetzt ist es soweit, sie kommt. Wir verschmelzen zu einem Körper, jetzt bin ich nur noch Spiderman.
Vor der Bank aus sehe ich, sie ist da, ich habe sie nicht kommen sehen aber da steht sie jetzt. Ich laufe nach links, von der Bank aus, und versuche sie zwischen den Gebüschen und Bäumen mit meinen Spinnennetzen zu beschießen, doch sie ist viel zu schnell und bewegt sich scheinbar schwebend ohne die Füße zu benutzen. Sie steht nun 3 Meter vor mir, ich versuche sie erneut zu beschießen, diesmal mit kleinen Spinnennetzbällen die sie aber einfach immer wieder verschluckt. Ich bin machtlos und fürchte mich. Nun steht sie direkt vor mir und ich sehe ihre eindrucksvolle Gestalt, engelsgleich mit einem langen, weißen Kleid der vom Wind umworben wird, das ihr Kleid flattern und tanzen lässt , ebenso auch ihre langen, blond-gelockten Haare, die das Gesamtbild vollenden. Meine schiere Machtlosigkeit und ihre Erscheinung lähmen mich, wie ein vom Licht geblendetes Reh.
Aufgewacht. Und wie oft nach solchen Erlebnissen läuft die Gedankemaschine auf Hochtouren, findet keine Ruhe und zwingt mich das alles mehrmals zu durchdenken. Am liebsten würde ich es aus meinem Kopf verbannen, doch weiß ich nur zu gut, das geht nicht. Nicht zum ersten, und auch nicht zu letzten mal, so ergebe ich mich am besten, zumindest für eine Weile. An sich wäre der Traum nicht erschreckend oder sonderlich beängstigend für einen Außenstehenden aber meine momentane Gefühlslage versichern mir das Gegenteil. Die Gedanken lassen nicht nach und kreisen mit hoher Geschwindigkeit wirr um mich herum. Ohne, dass ich es bewusst wollte, dauert es nicht lange bis mich die Frage erreicht »war das alles ich?« und schnell wird mir klar, die zwei auf der Bank, die eigentlich eins waren, die bewussten Seiten, Spiderman als die Persona. Wie gut es dieser Traum geschafft hatte meine derzeitige Persona zu visualisieren, mysteriös, stark, unnahbar und komplett verhüllt nach außen, aber schwach, verletzlich und melancholisch das bewusste Ich dahinter. Die Intensität der Gedanken immer noch nicht nachlassend, würge ich die mir im Traum begegnete Frauengestallt, versuche mich gegen sie zu wehren, und merke Gleichzeitig wie ich mich scheinbar selbst würge und spüre ein beengendes Gefühl um mein Hals. Schon nach der ersten Frage ist es mir in den Sinn gekommen, sie muss meine Anima gewesen sein, über die ich scheinbar noch fast nichts weiß, gegen die ich machtlos bin, gegen die ich keine Energie des Wehrens verschwenden sollte, sondern mich einlassen und ihr zuhören.
Dann fällt mir ein, wo ich diese Gestalt schon einmal sah. Es war in einem alten Traum, den ich bislang nie aufgeschrieben hatte, an den ich mich aber immer noch so gut erinnern kann als sei es gestern gewesen. Es muss nun über zwei Jahre her sein. Im Traum war ich im Schlafzimmer und blickte aus dem Fenster. Vom vierten Stock blickte raus auf den Hof, auf das Wohngebäude rechts, das im 90 Grad Winkel direkt an meinem anliegt, nach links ins Freie, auf den Spielplatz und auf das Gebäude gegenüber. Dort stand im zweiten Stock auf dem Balkon eine Frau die zu mir hinauf blickte. Wir sahen uns eine Weile an bis plötzlich ein Seil von ihr bis zu mir hinauf an der Wand befestigt war, es war auf einmal einfach da. Daraufhin sah ich sie am Seil zu mir nach oben schweben. Sie hing am Seil nur mit einer Hand und schwebte so daran nach oben. Hier war diese Gestalt, hier sah ich sie zum ersten mal, die engelhafte Erscheinung, das weiße Kleid, die blond-gelockten Haare. Dann war sie bei mir und ich fragte etwas erstaunt über das gerade erlebte, »was willst du?« und sie antwortete mir mit »ich bin du in weiblich«. Es war kein langer Traum aber so eindrucksvoll, dass ich bis heute kein Detail vergessen habe.
Um einige Erkenntnisse reicher, mögen sie richtig sein oder nicht, war ich dennoch nicht beruhigt. Eher im Gegenteil, ich war mehr verängstigt. Was wollte mir mein Unterbewusstsein mitteilen? Wen wollten wir befreien, den sie gefangen gehalten haben sollte?
Ich fand die ganze Nacht keine Ruhe, wälzte mich von einer Seite auf die andere, schlief dann doch kurz ein, träumte darauf wieder merkwürdige Dinge aber nun ohne Zusammenhang, so schien es, und wachte dann kurz darauf wieder auf. Gegen ende der Nacht, nachdem sich alles ein bisschen beruhigt hatte, versuchte ich meine Träume zu lenken, flog ein wenig herum, doch länger als eins, zwei Minuten gelang es mir nicht. Schließlich fand ich doch noch ca. ein - zwei Stunden Tiefschlaf.
Ist nun schon über zwei Woche her.

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